Navigation and Service

Content

30 January 2016 | Pre-/Post-trade transparency

Globaler Handel erfordert globales Reporting This article is available in German only

Neue Transparenz- und Meldepflichten durch neue Richtlinien und Verordnungen Pilotprojekt zur Datenübermittlung an Behörden startet im Februar

Mit der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (Mifid II) bzw. der ergänzenden EU-Verordnung (Mifir) kommen auf die Marktteilnehmer weitreichende Veränderungen hinsichtlich ihrer Transparenzpflichten zu. Die Vorbereitungen zur Umsetzung von Mifid II/Mifir sind bereits in vollem Gange. Trotz einer möglichen Verschiebung, nach der die nationalen Umsetzungen der neuen Richtlinie bzw. die Verordnung erst ab Januar 2018 anzuwenden sein könnten, sind Marktteilnehmer gut beraten, die eingeleiteten Projekte mit unvermindertem Fokus umzusetzen.

Einheitlich in der ganzen EU

Wesentliche Ziele der Mifid sind, durch Informationen zu Geschäften in Finanzinstrumenten die zuständigen Aufsichtsbehörden (National Competent Authorities, NCA) in die Lage zu versetzen, potenzielle Fälle von Marktmissbrauch innerhalb der EU zu identifizieren sowie den EU Kapitalmarkt auch über den Aktienmarkt hinaus transparenter zu gestalten. Mit Einführung von Mifid II/Mifir werden zum ersten Mal EU weit harmonisierte Anforderungen an die Reportingpflichtigen sowie potenzielle Serviceanbieter gestellt, um eine harmonisierte und sichere Datenbasis insbesondere für die Aufsicht zu gewährleisten. Meldepflichtig sind Transaktionen – börslich oder außerbörslich getätigt – in Finanzinstrumenten, die an einem in der EU registrierten Handelsplatz zum Handel zugelassen sind, dort gehandelt werden oder für die ein Antrag auf Zulassung gestellt wurde. Als Handelsplätze gelten hierbei Regulated Markets (RM), Multilateral Trading Facilities (MTF) sowie die neu eingeführten Organised Trading Facilities (OTF). Darüber hinaus meldepflichtig sind Transaktionen in Finanzinstrumenten, deren Basiswert ein an einem Handelsplatz gehandeltes Instrument ist oder ein Index bzw. Korb von Finanzinstrumenten, die an einem Handelsplatz gehandelt werden. Die Identifikation dieser Instrumente soll künftig EU-weit über International Securities Identification Numbers (ISIN) erfolgen und gemäß der Vorschläge der ESMA auch für Derivate gelten. In diesem Zusammenhang sind alle in der EU registrierten Handelssysteme sowie Systematische Internalisierer (SI), d.h. Marktteilnehmer mit prominenter Position im OTC-Markt, verpflichtet, den zuständigen nationalen Behörden die entsprechenden Referenzdaten zu liefern. Diese sollen aggregiert  auf der ESMA-Webseite für die Öffentlichkeit einsehbar sein. Zusätzlich werden zukünftig weitreichende personenbezogene Daten abgefragt, die jedoch ausschließlich gegenüber der Aufsicht transparent gemacht werden müssen. Ebenfalls neu unter Mifir ist, dass regulierte Märkte für Teilnehmer melden müssen, die an ihrem Handelsplatz ausführen, aber nicht selbst unter die Verordnung und damit die Meldepflicht fallen. Der Umfang der relevanten Finanzmarktinstrumente wird unter Mifir erweitert und umfasst zukünftig neben Eigenkapitalinstrumenten wie Aktien auch Nichteigenkapitalinstrumente wie ETF, Zertifikate, Anleihen, strukturierte Finanzprodukte und Derivate. Darüber hinaus gelten unter der neuen Richtlinie erweiterte Transparenzanforderungen  für außerbörslich getätigte (OTC-) Geschäfte. Mit Umsetzung von Mifid II wird die Nutzung eines sogenannten „Approved Publication Arrangement“ (APA) für Veröffentlichungen von OTC-Geschäften vorgeschrieben. Körperschaften mit APA-Status sind autorisiert, im Auftrag von Wertpapierfirmen Handelsdaten zu veröffentlichen. Die zumeist in Echtzeit zu veröffentlichenden Informationen umfassen mindestens: Kennung des Finanzinstruments, Kurs zu Geschäftsabschluss, Geschäftsvolumen sowie Zeitpunkte des Geschäfts und der Veröffentlichung des Geschäfts. Der Markt für regulatorische Reportinglösungen hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Mit der zunehmenden Marktreife wird jedoch immer deutlicher, dass nur wenige etablierte Organisationen regulatorische Lösungen in der Breite und Tiefe bieten können, die ein globaler Markt erfordert. Auch Marktteilnehmer außerhalb Europas stehen durch Meldeanforderungen aus Regulierungen, wie z. B. Dodd Frank in den USA oder FinfraG in der Schweiz, vor ähnlichen Herausforderungen. Globaler Handel erfordert ein globales Reporting.

Service aus einer Hand

Künftig wird es für Marktteilnehmer entscheidend sein, die Vielzahl ihrer Reportingverpflichtungen mit möglichst geringem Aufwand abzudecken – über verschiedene Regulierungen und Jurisdiktionen hinweg. Ein effizienter, gesamtheitlicher Service aus einer Hand verringert den operativen Aufwand und damit die Kosten und sichert die Konsistenz der Daten. Ferner spielen Aspekte der Haftung (z. B. für fehlerhaftes Berichtswesen) und der Datensicherheit (umfangreiche personenbezogene Datensätze müssen übermittelt werden) eine entscheidende Rolle. Große Marktinfrastrukturanbieter, wie die Deutsche Börse, verfügen sowohl über die regulatorische Expertise als auch die erforderliche komplexe und leistungsfähige technische Infrastruktur, um Wertpapierdienstleister bei der Umsetzung zu unterstützen. Die Gruppe Deutsche Börse bietet bereits seit mehr als 20 Jahren Reporting-Services an, die mittlerweile Meldungen für WpHG ‰ 9 (Mifid I), die EU-Derivaterichtlinie Emir sowie die Verordnung über die Integrität und Transparenz des Energiegroßhandelsmarktes (Remit) abdecken sowie den „OTC Trade Reporting Service“ zur Transparenzherstellung in Echtzeit für außerbörslich getätigte Geschäfte gemäß Mifid I. Das Unternehmen erweitert derzeit das bestehende Angebot zu einem multiregulatorischen Reporting Hub, der umfassende Unterstützung bei der Erfüllung der neuen Mifid II/Mifir-Anforderungen bieten wird.

Meldung von Transaktionen

Unter Mifid II gilt: Transaktionen müssen so schnell wie möglich und spätestens am Ende des folgenden Arbeitstags an die zuständige nationale Behörde gemeldet werden. Dies ist nicht immer trivial, insbesondere wenn innerhalb dieser Frist Fehler zu korrigieren sind. Auch die erforderliche Weiterleitung personenbezogener Daten kann Marktteilnehmer vor Herausforderungen stellen. Die Übermittlung der Daten an die zuständige Behörde kann durch den Meldepflichtigen selbst, durch den Betreiber des Handelsplatzes, über dessen System das Geschäft abgewickelt wurde, oder einen Approved Reporting Mechanism (ARM) erfolgen. Dieser benötigt eine entsprechende Zulassung, um das Reporting für den Meldepflichtigen an die zuständige nationale Behörde zu übermitteln („Reporting für Dritte“). Die Zulassung ist in der gesamten Union gültig und gestattet einem ARM ohne Weiteres, europaweit auch an andere NCA zu berichten. Ferner können Meldungen gemäß Mifir über ein als ARM zugelassenes Transaktionsregister (TR) erfolgen. Die Lösung der Deutschen Börse ermöglicht ein effizientes Management aller Meldungen, detaillierte Auswertungen und Warnsignale sind für Nutzer jederzeit abrufbar. Vor dem Versand der Meldungen werden umfangreiche Validierungen und Datenergänzungen durchgeführt. Darüber hinaus besteht ein kontinuierlicher Austausch bezüglich sich ändernder Anforderungen mit den Aufsichtsbehörden. Um Marktteilnehmer bei der Erfüllung der Transparenzanforderungen für außerbörslich getätigte Geschäfte unter Mifid I zu unterstützen, hat die Deutsche Börse ihren Mifid I Transparenz-Service entwickelt. Schon heute ist dieser in Großbritannien als Trade Data Monitor (TDM) zertifiziert, ein Vorläufer des durch Mifid II/Mifir neu eingeführten APA-Konzepts. Auch bei der Umsetzung der erweiterten Anforderungen unter Mifid II wird die Deutsche Börse entsprechende Services anbieten. Diese beinhalten zunächst eine Prüfung, ob die Veröffentlichung eines bestimmten OTC-Geschäftes erforderlich ist. Hierzu ist ein umfangreicher Abgleich von Referenzdaten notwendig. Neben der Validierung, Anreicherung und Veröffentlichung der übermittelten Daten übernimmt die Deutsche Börse die datenintensive und komplexe Kalkulation von regulatorisch erlaubten Verzögerungen der Datenveröffentlichung (Deferrals). Für Systematische Internalisierer gelten gesonderte Veröffentlichungspflichten, auch in Bezug auf die Vorhandelstransparenz. Die Deutsche Börse steht diesbezüglich im Dialog mit Marktteilnehmern und plant auch hierfür eine Lösung anzubieten. Im Gespräch ist unter anderem eine Benachrichtigungsfunktion für Marktteilnehmer, wenn sie die Kriterien zur Registrierung als SI erfüllen.

Planung geht weiter

Ebenfalls in Planung ist ein Service für Broker und Wertpapierhandelsfirmen, die sich als MTF oder OTF registrieren werden und somit ihre Quotes und Trades veröffentlichen müssen. Auch diese Firmen können den Regulatory Reporting Hub der Deutschen Börse nutzen, um ihren Transparenzanforderungen gegenüber dem Markt und den Aufsichtsbehörden nachzukommen. Über ein Pilotsystem können Banken bereits ab Februar 2016 die ersten Mifid II/Mifir-Services der Gruppe Deutsche Börse testen. Dies erlaubt Marktteilnehmern, komplexe interne Abläufe vorab zu prüfen und falls notwendig zu modifizieren, um rechtzeitig Mifid II/Mifir-konform zu sein.

Georg Groß
Head of Information
Deutsche Börse Market Data + Services