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27. Oktober 2015 | Transaction Reporting

Referenzdaten im Fokus

Die September-Veröffentlichung von RTS 22 führt 65 Felder für die Meldung von Transaktionen auf. Davon werden mehr als ein Drittel als standardbasierte, nicht-triviale Referenzdaten definiert. Die 26 Referenzdatenfelder nutzen 7 verschiedene Datentypen. Um ihren Meldepflichten nachzu­kommen, müssen Firmen die relevanten Daten pro Transaktion zur Verfügung stellen und deren Richtigkeit gewährleisten. Dies bedeutet in der Regel, dass die Daten mit einer aktuellen und vollständigen Referenzdatenquelle abgeglichen werden müssen.

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die in Bezug auf die Referenzdatensätze berücksichtigt werden müssen:

  • Wie viele Daten sind im Datenset?
  • Wie häufig und wie sehr ändern sich die Daten?
  • Wie einfach ist es, die Daten zu beziehen?
  • Wie einfach ist es, die Handelsdaten zu validieren?
  • Wer verwaltet das Datenset und wie gestaltet sich die Zusammenarbeit?
  • Sind die Daten im Transaktionsprozess im gleichen Format oder müssen sie transformiert werden?

Übersicht der verschiedenen Datensätze

  • Legal Entity Identifier (LEI) [ISO17442] – werden von verschiedenen Local Operating Units (LOUs) weltweit ausgestellt. Zusammengefasst gibt es zurzeit circa 400000 Einträge, diese werden von der Global LEI Foundation (GLEIF) verwaltet.
  • Currency Code (CCY) [ISO4217] – von der SIX Swiss Exchange verwaltet und auf Ad-hoc-Basis aktualisiert, im Durchschnitt zweimal im Jahr; ca. 300 Einträge.
  • National ID [No ISO] – ein von der ESMA definiertes Format; enthält typischerweise eine nationale Kennung, Passnummer oder Verkettung einzelner Namen, Geburtsdaten. Angesichts der unterschiedlichen Datensätze gibt es wahrscheinlich Millionen von möglichen Einträgen.
  • Country Code [ISO3166] – wird von ISO3166 Maintenance Agency verwaltet. Diese sitzt in der Schweiz. Rund 250 Einträge, werden selten aktualisiert.
  • Market Identification Code (MIC) [ISO10383] - von SWIFT gepflegt, mit etwas mehr als 1000 Einträgen, wird am zweiten Donnerstag eines jeden Monats aktualisiert, wobei Änderungen ab dem vierten Donnerstag gelten.
  • International Securities Identification Number (ISIN) [ISO6166] - von der Association of National Numbering Agencies (ANNA) gepflegt, einzelne Wertpapiere werden der zuständigen National Numbering Agency zugeordnet. Laut ANNA wurden bisher mehr als 26 Millionen ISINs ausgegeben.
  • Classification of Financial Instruments (CFI) [ISO10962] - auch von ANNA gepflegt. Dieser Datensatz wird derzeit überprüft, eine neue Version wird im Q4 2015 erwartet. Damit sollen die Anforderungen neuer Verordnungen berücksichtigt werden

Dies sind die Fakten, aber was bedeutet das für Firmen, die gemäß MiFID II berichten müssen?

Drei offensichtliche „Herausforderungen“ fallen ins Auge:

1. „National Identifiers“ werden wahrscheinlich nicht Teil der Handelsdaten sein, da sie auf persönlichen Daten basieren. Diese müssen also entweder den Handelsdaten zugefügt werden (Zeit und Kosten um Systeme anzupassen) oder später mit den Handelsdaten zusammengeführt werden. Es gibt nicht die eine definitive Datenbank, die man nutzen kann, um eine nationale Kennung zu validieren. Somit wird es schwierig für Firmen, ARMs und NCAs, dies zu managen. In Anbetracht der Tatsache, dass jeder EU-Mitgliedstaat täglich Identifier ausgeben oder zurücknehmen kann, wird die Datenmenge höchst volatil.

2. ISINs existieren, werden in den Märkten stark genutzt und von den Systemen unterstützt. Wahrscheinlich werden sie Teil der bestehenden Handelsdaten sein. Doch mit MIFID II hat ESMA vorgegeben, dass alle Instrumente (auch Derivate) und die ihnen zugrunde liegenden Instrumente durch eine ISIN identifiziert werden, und dies ist derzeit nicht der Fall. Bezüglich EMIR erlaubt ESMA, dass mehrere Identifikationssysteme für Instrumente, einschließlich ISIN, Alternative Investment Identifiers (AII) und CFI-Codes verwendet werden. Eine der größten Herausforderungen wird es sein, ISINs für alle gehandelten Instrumente zeitnah zu erhalten. Die zweite große Herausforderung wird es sein, ISINs zu validieren. Während ISIN-Listen zur Verfügung stehen, gibt es keine Liste der meldepflichtigen ISINs unter MiFIR.

3. LEIs wurden im Zusammenhang mit EMIR-Derivate-Reporting Anfang 2014 Pflicht. Allerdings werden Firmen wahrscheinlich feststellen, dass nicht alle ihrer Handelspartner eine LEI haben. Dies gilt insbesondere für Partner aus Drittländern und Fondsgesellschaften. Bei Fondsgesellschaften könnte jeder einzelne Fonds eine LEI benötigen. Dies könnte ein teurer und aufwändiger Prozess sein. Eine letzte Komplikation ist die Tatsache, dass LEIs jährlich bezahlt werden müssen. Das machen nicht alle Firmen, somit sind einige LEIs nicht mehr gültig.

Firmen können jetzt mit der Analyse ihrer Systeme beginnen, da es unwahrscheinlich ist, dass weitere ITS oder Reviews der Kommission, des Rats oder des Parlaments die verwendeten Referenzdaten ändern. Ein erster Schritt ist es, alle Systeme, die Daten zum Berichtsprozess beitragen werden zu identifizieren und herauszufinden, wo es Lücken in den Handelsdaten im Vergleich zu den Anforderungen der Regulierungsbehörde gibt. Firmen haben dann eine Reihe von Möglichkeiten: Sie können versuchen, ihre eigenen Systeme auszubauen um die neuen Daten zu erfassen; sie können die Daten in-house sammeln und mit Daten aus externen Quellen erweitern; oder sie profitieren von der Expertise von Vendoren und ARMs, die dabei helfen können, Daten für die regulatorische Berichterstattung nutzbar zu machen.

Wenn es um Referenzdaten geht, ist jetzt eine Investition in Wissen die beste Investition.

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